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Rückblicke 2007

Professor Kirill V. Chistov ist am 29.10.2007 gestorben

   
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Professor Kirill V. Chistov, geboren 1919 bei St. Petersburg, ein international renommierter Erzählforscher ist am 29.10.2007 im Kreis seiner Familie in St. Petersburg gestorben.

Er ist dem Deutschen Volksliedarchiv durch seine Editionsarbeit an: "Fliege, mein Briefchen, von Westen nach Osten..." verbunden, das als Band 18 der Studien zur Volksliedforschung 1998 erschien. In dem Buch wurden Auszüge aus Briefen russischer, ukrainischer und weißrussischer Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter aus den Jahren 1942 - 1944 im Originaltext und in deutscher Übersetzung dokumentiert und kommentiert. Während der Arbeit an der Edition hat Prof. Chistov - zusammen mit seiner bereits 1999 verstorbenen Frau Bella E. Chistova - einige öffentliche Vorträge über die Briefe der Ostarbeiter und ihren historischen Kontext in Freiburg gehalten. Einige Freiburger Mitbürger werden sich auch an das von der Wirth-Stiftung und der ehemaligen Stadträtin Frau Dr. Ursula Kopf ausgerichtete Treffen erinnern, bei dem das Ehepaar Chistov über seine Erinnerungen aus dem Zweiten Weltkrieg berichtete.

 

Musik und nationale Identität 

Internationales Kolloquium am 18. und 19. Oktober 2007 in Straßburg

Das Kolloquium setzt sich zum Ziel, die Rolle und die Funktion der Musik im Prozess der Identitätsfindung der europäischen Nationen zwischen 1830 und 1918 zu untersuchen. Im Zentrum der Diskussion steht der Begriff der „Konstruktion“, da heute kein Historiker oder Ethnologe daran zweifelt, dass die Idee der Nation und damit zusammenhängend jene der Ethnie zuallererst identitäre Konstrukte sind. Der Begriff Konstruktion trifft zudem in doppelter Weise zu: Zum einen, weil nationale Identität als Produkt der Identitätsfindung eben konstruiert ist, und zum anderen, weil diese Identität selber wiederum ein kulturelles Referenzsystem konstruiert.

Das Kolloquium will über die verschiedensten Bereiche von nationaler Musik nachdenken, sei es die Volksmusik (jene vielzitierte „Folklore“, die vielleicht neu definiert werden kann) oder die musikalische „Hochkultur“. Beide sollen als Konstruktionen verstanden werden, als Ergebnisse also und nicht aus Ausgangspunkt nationaler Identitätsfindung. Die Diskussionen über „nationale“ Musik können zudem durch Überlegungen zu regionaler Musik ergänzt werden, da die Problemkreise hier oft identisch sind. Regionen wie das Elsass oder das Baskenland mit ihren „Identitätskrisen“ im 19. Jahrhundert bieten in dieser Hinsicht interessante Themenkreise.

 

 

Projektförderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

DFG-Projekt "Traditionelle Lieder im 20. Jahrhundert. Edition und Kommentar"
(2007–2009)

Seit Mai 2007 fördert die Deutsche Forschungsgemeinschaft das Projekt "Traditionelle Lieder im 20. Jahrhundert. Edition und Kommentar". Es handelt sich um ein wirkungsgeschichtlich angelegtes Forschungsvorhaben, das die populären und traditionellen Lieder aus dem deutschsprachigen Raum im 20. Jahrhundert grundlegend untersucht: Das Ziel ist eine Verknüpfung von historisch-kritischer Edition und liedgeschichtlicher Kommentierung, welche Herkunft, Verwendung und Bedeutung des Liedes aufzeigt. Durch die Edition soll also der Wandel des "Textes" (Dichtung und Musik) aufgezeigt werden und durch den Kommentar der sich stets verändernde historische und soziale Kontext. Hierbei geht es um jene Lieder, die im 20. Jahrhundert besonders breitenwirksam waren. Entscheidend ist also nicht der Zeitpunkt ihrer Entstehung, sondern ihre Rezeption.

Die Projektergebnisse werden im "Historisch-kritischen Liederlexikon" des Deutschen Volksliedarchivs publiziert.

gefördert durch die  
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Neuerwerbung Lieflugschriften

Schenkung der Familie Prof. Dr. Lutz Röhrich


Im Frühjahr 2007 hat die Familie Röhrich dem Deutschen Volksliedarchiv Flugschriften aus dem Nachlass Prof. Dr. Lutz Röhrich überlassen. Die Sammlung von Professor Röhrich umfasst Blätter aus dem 19. Jahrhundert, darunter auch handkolorierte Drucke aus Berlin. Eine Besonderheit stellen die Drucke aus der Reihe "Gedichte und Scherze in jüdischer Mundart" dar, die Ende des 19. Jahrhunderts bei Ernst Bloch in Berlin erschienen sind. Das Deutsche Volksliedarchiv dankt der Familie herzlich für diese Schenkung!

 

Kinderliederbücher 1770–2000

Eine annotierte, illustrierte Bibliografie der deutschsprachigen Kinderliederbücher im Deutschen Volksliedarchiv

 

Kinderliederbücher sind Indikatoren für Menschenbilder und Weltanschauungen, für Vorstellungen von Erziehung und Sichtweisen aufs Kind. Der kulturgeschichtliche Blick auf diese Liederbücher spiegelt die Veränderungen von Kindheitskonzepten im historischen Verlauf und im gesellschaftlichen Wandel.

   
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In diesem Buch wird erstmals eine umfassende Bibliografie deutschsprachiger Kinderliederbücher von 1770–2000 vorgelegt. Informative Kurzkommentare zu jedem Band geben Auskunft zu Buchinhalten, Autoren und Herausgebern sowie über ihre jeweiligen Repertoirestrategien. Zusammen mit zahlreichen Illustrationen lassen diese Annotationen Bedeutung und Stellenwert des jeweiligen Liederbuches anschaulich werden.

Neben einem umfassenden Registerteil enthält das Buch auch einen Essay des renommierten Musikpädagogen Günther Noll zum Kinderlied in der NS-Zeit.

 

 

 

 

Prof. em. Dr. phil. Lutz Röhrich zum Gedenken

von Prof. Dr. Max Matter, Direktor des Deutschen Volksliedarchivs

   
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Prof. em. Dr. Lutz Röhrich
9. Oktober 1922 - 29. Dezember 2006
 

 

Der 1922 geborene Professor Dr. Lutz Röhrich war ein außerordentlich bedeutender Volkskundler und Erzählforscher, dem weltweit Anerkennung entgegengebracht wird. Er hinterlässt ein bemerkenswert umfangreiches Lebenswerk: eine große Zahl wichtiger Bücher, von denen viele mehrere Auflagen erlebt haben, und Hunderte von Aufsätzen. Die Bedeutung Lutz Röhrichs wird auch deutlich durch die Ehrungen und Preise, die ihm für seine wissenschaftliche Arbeit zuerkannt worden sind: 1974 erhielt er den Chicago Folklore Prize, 1984 den oberrheinischen Kulturpreis, 1985 die Brüder Grimm Medaille und im selben Jahr den internationalen Giuseppe Pitrè Folklore Preis in Gold sowie 1991 den Europäischen Märchen-Preis. Zudem vergibt seit 1994 die Märchen-Stiftung Walter Kahn einen Nachwuchspreis, der nach dem Verstorbenen benannt ist. Lutz Röhrich war Ehrenmitglied der Folklore Fellows (Helsinki) sowie Mitglied der österreichischen Akademie der Wissenschaften und der Königlichen Gustaf-Adolfs-Akademie in Uppsala. Weit über das Fach hinaus bekannt, ja eigentlich berühmt, wurde Lutz Röhrich mit dem großen Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten, einem Standardwerk, das weit herum als „der Röhrich“ bekannt ist und über Herkunft, Bedeutung und Anwendung von rund 15.000 Redensarten profund Auskunft gibt.

 

Ein vorbildlicher Wissenschaftler und Lehrer

Nach seinem Ruf an die Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Jahre 1967 etablierte er hier das Fach Volkskunde – zuerst im Rahmen des Deutschen Seminars, dann im eigenständigen Institut. In rund einem Vierteljahrhundert begeisterte er Hunderte von Studierenden für die Erzählforschung, aber auch für die Volkskunde in ihrer ganzen Breite. Vielen ehemaligen Studierenden wird er als besonders offener, liberaler akademischer Lehrer, der seine Schülerinnen und Schülern zu eigenem Denken ermunterte, sie freundlich kritisch begleitete und förderte, in Erinnerung bleiben. In ganz besonderer Weise setzte sich der Verstorbene für die Heranbildung und Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses ein. Es dürfte im Fach Volkskunde nur ganz wenige geben, die so viele Habilitanden betreut haben wie Lutz Röhrich. Mit vielen der zahlreichen ausländischen Studierenden, die seinetwegen aus aller Welt nach Freiburg gekommen waren, blieb er lange und über deren Freiburger Studienaufenthalt hinaus in Kontakt. Andere fanden hier in ihm einen interessanten und interessierten akademischen Lehrer. Als Gastprofessor lehrte er immer wieder an namhaften ausländischen Universitäten, auch in den USA und in Kanada.

 

Ein lebendiges Lexikon

Als ich vor rund zehn Jahren nach Freiburg kam, nahm er mich sehr freundlich, offen und interessiert auf, auch wenn er wusste, dass ich das Fach Europäische Ethnologie recht anders verstehe und betreibe als er. Gerne kam er auch noch viele Jahre nach seiner Emeritierung, 1990, unseren Bitten nach, doch ab und an noch ein Seminar zur Erzählforschung anzubieten. Bis zuletzt war er regelmäßig im Institut, in der Bibliothek und in seinem Arbeitszimmer zugange. Er zeigte sich stets ehrlich an unseren eigenen wissenschaftlichen Arbeiten interessiert, gab unaufdringlich Hinweise zu Themen, die wir in der Lehre anboten, erkundigte sich über die Einführung der neuen Studiengänge, wollte wissen, was sich in der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde tut und hätte wohl auch nach einem nun anstehenden Umzug des Instituts gerne noch weiterhin am akademischen Leben Anteil genommen. Ein Arbeitszimmer im neuen Institutsgebäude hatte er sich schon ausgesucht. Wir schätzten Herrn Kollegen Röhrich als Begleiter und Ratgeber, der sich aber nie von sich aus einmischte. Ratgeber war er mir insbesondere auch bei meiner Arbeit im Deutschen Volksliedarchiv, das Lutz Röhrich bis 1991 geleitet hatte. Gerade hier durfte ich immer wieder erfahren, dass Lutz Röhrich nicht nur Lexika herausgegeben hat, sondern selber ein lebendes Lexikon war.

 

Alt werden und dazulernen

In seinem 2002 in Köln erschienenen Buch „und weil sie nicht gestorben sind …“ befasste sich Lutz Röhrich im ersten Teil, der die Stationen des Lebens behandelt, u.a. mit Macht und Ohnmacht der Alten. Ganz zum Schluss zitierte er Solon, der gesagt haben soll: „Ich werde alt, aber ich lerne dazu: unermüdlich und mit Vergnügen.“ Gerne wird heute von lebenslangem Lernen geredet, Lutz Röhrich hat es getan. Und auch das weitere Lebensmotto für die Alten, das er nennt, hat kaum einer so wie er beherzigt: „Höre nie auf anzufangen, fange nie an aufzuhören.“ Kurz bevor er starb, arbeitete er noch an einem neuen Buch.
Wir werden Lutz Röhrich im Institut und im Deutschen Volksliedarchiv vermissen und seiner oft und gerne gedenken.

 

 

Datenbank- und Archivierungsnetzwerk oberrheinischer Kulturträger - DANOK

Das Projekt wird von der Europäischen Union im Rahmen des Programms INTERREG Oberrhein Mitte-Süd kofinanziert

Ziel dieses Projekts ist die digitale Aufbereitung von Materialien oberrheinischer Kulturgeschichte und deren Langzeitarchivierung auf Mikrofilm. Der Fokus richtet sich dabei auf Tonaufzeichnungen. Diese sollen über ein nutzerfreundliches Internetportal der breiten Bevölkerung und den Archiven zugänglich gemacht werden.

Daraus ergeben sich folgende Arbeitsfelder:

  • Digitalisierung der Archivmaterialien;
  • Datenaufbereitung und Belichtung der Mikrofilme;
  • Aufbau einer Internetdatenbank und Einspielen der verschiedenen Daten auf diese "virtuelle Bibliothek".

 

In das Projekt bringt das DVA ca. 600 Stunden Aufnahmen aus Feldforschungen auf Magnetbändern ein. Diese wertvolle Sammlung einmaliger und bedeutender Tondokumente aus allen Bereichen des deutschsprachigen Popularliedes bedarf dringend der geplanten Digitalisierung zur Bestandserhaltung. 

Partner des Projekts sind: Ministerium für Wissenschaft und Kunst Baden-Württemberg, Stadt Freiburg, Fraunhofer Institut Physikalische Messtechnik (Freiburg), Archiv für Soziale Bewegungen (Freiburg), Heinrich-Böll Stiftung (Berlin), Erzbischöfliches Archiv (Freiburg), Deutsches Volksliedarchiv (Freiburg), Université Marc Bloch (Srasbourg), Musica Internationale (Strasbourg), Universität Basel, Phonogrammarchiv - Uni Zürich, memoriav, Schweizerisches Volksliedarchiv, DRS - Studio Basel.


Kofinanziert durch die Europäische Union

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Kolloquium zur Popularliedforschung

 

29. Januar 2008
Heinrich Heine und das "Volkslied" (Dr. Eckhard John)

 

18. Dezember 2007
Lied und die Konstruktion nationaler Identität im 19. Jahrhundert (Dr. Michael Fischer / Dr. Nils Grosch)

27. November 2007
Johann Rist und das Kirchenlied des 17. Jahrhunderts (Prof. Dr. Konrad Küster)

18. Juli 2007
Das Venusbüchlein - Neue Einsichten zu einem vernachlässigten Thema (Albrecht Classen, University of Arizona)

14. Februar 2007
Volksverdummung oder Volksaufklärung? Lied- und Moritatendrucke der Hamburger Firma Kahlbrock (Dr. Michael Fischer)

17. Januar 2007
Beruf: Wandermusikant. Eine Form der Arbeitsmigration und ihre regionalen Zentren (Dr. Tobias Widmaier)

 

 

 

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Ab Semesterbeginn,
15. Oktober 2018,
hat die Bibliothek geänderte Nachmittagsöffnungszeiten: Di + Do von 15 bis 18 Uhr.

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Jahreswechsel:
Wir haben bis einschließlich Freitag, 21. Dezember geöffnet und sind im neuen Jahr ab Montag, 7. Januar wieder für Sie da.

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 Jahrbuch des Zentrums für Populäre Kultur und Musik

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Jonas Menze: Musical Backstages
 
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Michael Fischer, Christofer Jost und Janina Klassen (Hrsg.): Image - Performance - Empowerment
 
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