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Rückblicke 2008

 

Matthias Kneißl (1875 – 1902)

Lieder über den legendären Räuber

  
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Der Kinostart des Spielfilms "Räuber Kneißl" von Marcus H. Rosenmüller hat wieder an das Schicksal von Matthias Kneißl erinnert, das auch in einigen Volksliedern im populären Gedächtnis erhalten blieb:

Beim Kübalawirt, beim Kübalawirt
da kehrt der Kneißel ein,
da trinkt er Bier und Branntewein

und's Glasel steckt er ein.

Kirchheim/Schwaben 1905  -  DVA, Sign.: A 13426 

In der Eingangshalle des Deutschen Volksliedarchivs ist dazu eine kleine Ausstellung zu sehen.

 

Ausstellung zur Euro 08 in der Eingangshalle des Deutschen Volksliedarchivs

Fußball-Fieber – Fußball-Lieder

 

Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts gibt es Liederbändchen, die sich mit dem runden Leder und dem Sport auf dem Rasen beschäftigen. Wie man sieht, haben sich der Ball und das Outfit der Spieler verändert. 

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– Was National-Torwart  Jens Lehmann kürzlich beklagte, dass der Ball für die Euro 08 zu flatterig und zu schnell sei, konnte man den ersten Fußbällen, die aus Leder und Tierhaaren gefertigt waren, nicht nachsagen.
Manchem sehr jungen Möchtegern-Fußballer fehlt auch heute in Zeiten von Hartz IV das Geld für Ball und Zubehör, so wie einem Sohn einer allein erziehenden Mutter im "Fußball-Lied" aus dem Liederbuch: "froh und fleißig" von Wilm Weinstock (Altberliner Verlag 1949):

"Hätt' ich bloß 'ne Fußballkluft!
Wo nehm ich die Treter her?
Ich tret' Löcher in die Luft,

ohne Fußball – das ist schwer!"

Bleibt nur zu hoffen, dass die Euro 08 in erster Linie Gefühle der Zusammengehörigkeit im größeren Europa stärkt, so wie sie die Fußballhymne "You'll never walk alone ..." zum Ausdruck bringt.

  
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You'll never walk alone. Die schönste Fußballhymne illustriert von Kitty Kahane. Mit einem Nachwort von Manni Breuckmann, edition chrismon 2008.
DVA: AV 1155
 


Projektförderung durch das Bundesministerium für Kultur und Medien

BKM-Projekt "Kolonistische Lieder der Rußlanddeutschen. Edition und Kommentar" (2008-2010)

Seit März 2008 fördert der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien das Projekt "Kolonistische Lieder der Rußlanddeutschen. Edition und Kommentar". Gegenstand der Forschungsarbeit sind jene Lieder der Rußlanddeutschen, die im 19. und 20. Jahrhundert in den deutschen Siedlungen auf russischem Gebiet (den sogenannten "Kolonien") entstanden sind und verbreitet wurden. Das Projekt ist ein wirkungsgeschichtlich angelegtes Forschungsvorhaben, in dem Herkunft, Verwendung und Bedeutung dieser Lieder untersucht und dokumentiert werden sollen. Die Forschungsergebnisse werden im Rahmen des Historisch-kritischen Liederlexikons publiziert.



Liederkästlein und andere Schätze …

Spende der Sparkasse Freiburg-Nördlicher Breisgau im April 2008

Das Buch mutet unscheinbar an: kleinformatig, in einfaches Leder gebunden, ohne Abbildungen oder Noten. Seltsam erscheint uns Heutigen der Titel. Er lautet nämlich etwas umständlich: "Geistliches Liederkästlein zum Lobe Gottes, bestehend aus 752 kleinen Oden über so viel biblische Sprüche".

  
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Autor dieses Werks ist Philipp Friedrich Hiller (1699–1769), ein evangelischer Pfarrer, der als "Liederdichter des württembergischen Pietismus" in die Geschichte eingegangen ist. Dieses Buch zeigt nicht nur, wie man sich in diesem Frömmigkeitsmilieu die Tagesheiligung vorstellte (jedem Tag ist ein Bibelspruch und ein Lied zugeordnet), sondern auch, wie erfolgreich solche Publikationen waren: Das Werk wurde seit dem Erstdruck 1762 immer wieder aufgelegt – bis in die Gegenwart (2006).

 

Die Sparkasse Freiburg hat durch ihre großzügige Spende allerdings nicht nur den Erwerb dieses geistlichen Liederbuches ermöglicht, sondern auch den Ankauf verschiedener Liedflugschriften, darunter ausgesprochene Raritäten: ein Druck aus dem Jahr 1704 mit Soldatenliedern und ein Blatt mit zwei Gesellschaftsliedern, das aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges stammt (1646). Es enthält aber keine kriegerischen Verse, sondern Liebeslieder: Make love, not war …

Zurück in das ausgehende 18. Jahrhundert führt die Sammlung "Cantaten und Arien verschiedener Dichter, in Musik gesetzt von Johann Adam Hiller". Dieser Band ist 1781 in Leipzig erschienen und dokumentiert, wie vielfältig in dieser Zeit das musikalische Repertoire und die entsprechenden gesellschaftlichen Milieus waren. Hier herrscht der Optimismus der Aufklärung, der sich mit Freude der Welt und ihrem Schöpfer zuwendet.

   
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 Poesie und Musik einträchtig vereint ...
Hillers "Cantaten und Arien", 1781, Titelillustration
 

 

Die Neuerwerbungen, die durch die Sparkasse ermöglicht wurden, zeigen somit wie in einem Brennspiegel Elemente popularer Liedkultur an, die sich eben nicht auf "Volkstümlichkeit" und Breitenwirkung allein reduzieren lässt. Vielmehr ist das Singen an Milieus, Bildungshorizonte und Weltverständnis geknüpft – eine Einsicht, die sich durch die erworbenen Liederbücher verifizieren lässt. 

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Neuerscheinung von Armin W. Hadamer: "Mimetischer Zauber"

Die englischsprachige Rezeption deutscher Lieder in den USA 1830–1880

The nightingale has been away,
But Spring again invites her;
She has not learned another lay,
Her old songs still delight her.

Johann Wolfgang von Goethe
 

Wilhelm Hauff und Bluegrass, Carl Maria von Weber und Gospel, Theodor Körner und die Minstrel Show, Heinrich Heine und der Bürgerkrieg: Die englischsprachige Rezeption hunderter von deutschen Liedern in den USA war mit ihren überraschenden Verbindungen wichtiger Teil der kulturellen und sozio-musikalischen Selbstauslegung amerikanischer Diskurse im 19. Jahrhundert. Sie entsprach Homi Bhabhas Denkfigur des "Third Space", einer Sphäre des Übergangs, in der kulturelle Identität über die Auseinandersetzung mit dem kulturellen Anderen verhandelt wird.

  
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Die vorliegende Studie von Armin W. Hadamer legt hiermit zum ersten Mal ein Forschungsgebiet offen, das sowohl neue Perspektiven auf die amerikanisch-deutschen Kulturbeziehungen im 19. Jahrhundert freigibt, als auch die deutschsprachige Liedkultur und Literatur verbindlich in transkulturellen Kontexten verortet. Ihr kulturwissenschaftlicher und diskursanalytischer Ansatz ist über die Liedforschung hinaus eine dringende Aufforderung an Disziplinen wie Übersetzungsstudien, Germanistik, Amerikanistik und Geschichte zu einer verstärkten interdisziplinären Zusammenarbeit.

 

 

 

 


Neuerwerbung des Deutschen Volksliedarchivs

Spende der Landesbank Baden-Württemberg im Januar 2008

 

"Die öffentlichen Bibliotheken sind weder ein Luxus, auf den wir verzichten könnten,
noch eine Last, die wir aus der Vergangenheit mitschleppen:
sie sind ein Pfund, mit dem wir wuchern müssen."

Bundespräsident Horst Köhler
bei der Wiedereröffnung der Anna-Amalia-Bibliothek, Weimar 2007

 

Öffentliche Bibliotheken haben es schwer: Allzu leicht werden sie Opfer von kurzfristigen Mittelkürzungen, die Wirklichkeit verzerrend "Sparmaßnahmen" genannt. Trotz des Engagements der Bibliothekare und Wissenschaftler bleiben damit Quellen unerschlos­sen, zerfallen durch Säurefraß oder verschwinden als Sammlerobjekte bei kaufkräftigen Privatpersonen.
Die öffentlichen Archive und Bibliotheken beklagen aber nicht nur diesen Zustand, sondern versuchen selbst, die Öffentlichkeit und Sponsoren zu mobilisieren. Nur so können viele Einrichtungen wertvolle Quellen erwerben und für die Zukunft erhalten.

  
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Das Deutsche Volksliedarchiv konnte auf diesem Wege – durch eine großzügige Spende der Landesbank Baden-Württemberg – drei außergewöhnliche Bücher aus dem 18. und frühen 19. Jahrhundert erwerben. Es handelt sich dabei um Werke, welche die religiöse Liedkultur der Frühen Neuzeit geprägt haben.

Ein Predigtband von Benjamin Schmolck (1672–1737) – selbst ein produktiver Liedschöpfer – zeigt, wie eng im Protestantismus die Gattungen "Lied" und "Bibel­auslegung" miteinander ver­schränkt sind. Was wir in den großen Vokalwerken Johann Sebastian Bachs bewundern, hat hier seine theologische Grundlage: Die geistliche Dichtung wie die Musik setzen mit ihren Mitteln die reformatorische Bibelfrömmigkeit fort.

Ein zweiter Band, 1767 in Zürich gedruckt, trägt den Titel "Musicalisches Halleluja" und stammt von dem Schweizer Kirchenmusiker Johann Caspar Bachofen (1695–1755). Dieses umfangreiche, fast 900 Seiten zählende Kompendium, umfasst nicht nur dreistimmige Gesänge, sondern auch Soloarien und kleine Vokalfugen.
Schließlich konnte mit den Mitteln der Landesbank Baden-Württemberg ein Gesangbuch angeschafft wurde, das einst deutschen Siedlern in Pennsylvania diente. Erstmals aufgelegt wurde dieses Buch im Jahr 1786; die erworbene Auflage stammt aus dem Jahr 1812. Dieses Werk dokumentiert, wie deutsche Kultur nach Amerika transferiert wurde, wobei Poesie, Musik und Religion die Verbindung zur alten Heimat herstellten.

Die drei Bände bereichern die Bibliothek des Deutschen Volksliedarchivs, die mit mehr als 70.000 Einheiten international die größte und bedeutendste Fachbibliothek zum Popularlied darstellt. Das Deutsche Volksliedarchiv verknüpft damit die Hoffnung, dass die neuerworbenen Bände dazu beitragen, die Erforschung der neuzeitlichen religiösen Liedkultur zu intensivieren, insbesondere was die Abgrenzungsstrategien und Austausch­beziehungen zwischen den Konfessionen und Regionen betrifft.


Barbara Boock / Dr. Michael Fischer
Deutsches Volksliedarchiv – Institut für internationale Popularliedforschung

Spende der 
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Tagung zur "Reichsgründung" 1871

Reichsgründung. Ereignis - Beschreibung - Inszenierung. Februar 2008 in Dresden

Die Tagung wird vom Deutschen Volksliedarchiv zusammen mit dem SFB 537 Institutionalität und Geschichtlichkeit der TU Dresden (Teilprojekt Professor Tanner) veranstaltet.

"Das Symposion wendet sich der Problematik zu, wie die Reichsgründung als Ereignis wahrgenommen, als Vorgang beschrieben und als Gründungsakt inszeniert worden ist. Die Medien des politischen Bekenntnisfalls ‚Reichsgründung’ sind dabei weder vom konfessionellen Status noch vom religiösen Phantasma ihrer Produzenten und Rezipienten zu lösen, ist doch der Begriff des Reichs selbst immer schon religiös verklärt. Überlegungen zur Poetik und Hermeneutik der Reichsgründung werden deshalb nach konfessionsspezifischen Mechanismen in der Annahme (oder Ablehnung) des Reichs fragen, aber auch die Entstehung einer über-, trans- oder gemischtkonfessionellen politischen Religion des Reichs oder zumindest: politischer Religiosität im Reich beachten."
(Dr. Christian Senkel, Halle-Dresden)

Das Symposion findet am 1. und 2. Februar 2008 an der TU Dresden in den Räumen des SFB 537 statt. Der ursprünglich angekündigte Termin im November 2007 konnte wegen des Bahnstreiks nicht aufrechterhalten werden.

Ansprechpartner:
Dr. Michael Fischer
michael.fischer@dva.uni-freiburg.de
Telefon: 0761/7050315

 

 

Kolloquium zur Popularliedforschung

 

9. Dezember 2008
Das "Volksliederbuch für die Jugend" (Stefanie Schreiber)

2. Dezember 2008
Das Süd-Ost-Rock-Festival (SORF) Bad Aibling - Auswertung einer Feldforschung (Meike Kühnel)

18. November 2008
"Was ist des Deutschen Vaterland?" Politische Lieder in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts (Aibe-Marlene Gerdes)

11. November 2008
Meir Ariel (1942-1999). Zum Wesen, Leben und Werk eines israelischen Liedermachers (Felix Papenhagen)

22. Juli 2008
Arbeiter- und Bauernmusik? Popularisierung von Musik in Vietnam (Ingrid Bertleff).

24. Juni 2008
Rauchen macht Spaß. Rauchen macht gesund. Rauchen macht fromm: Herkunft, Inhalt und mediale Präsentation eines Tabakliedes aus dem 18. Jahrhundert (Dr. Michael Fischer).

27. Mai 2008
Das Süd-Ost-Rock-Festival (SORF) Bad Aibling - Populäre Musik und die Konstruktion regionaler Identität (Meike Kühnel)

29. April 2008
Carl Maria von Webers verwegene Jagd oder: Was ist eigentlich so deutsch am Freischütz? (Dr. Nils Grosch)

29. Januar 2008
Heinrich Heine und das "Volkslied" (Dr. Eckhard John)

 

 

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Ab Semesterbeginn,
15. Oktober 2018,
hat die Bibliothek geänderte Nachmittagsöffnungszeiten: Di + Do von 15 bis 18 Uhr.

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Jahreswechsel:
Wir haben bis einschließlich Freitag, 21. Dezember geöffnet und sind im neuen Jahr ab Montag, 7. Januar wieder für Sie da.

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 Jahrbuch des Zentrums für Populäre Kultur und Musik

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Jonas Menze: Musical Backstages
 
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Michael Fischer, Christofer Jost und Janina Klassen (Hrsg.): Image - Performance - Empowerment
 
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